{"id":270,"date":"2010-11-15T10:54:19","date_gmt":"2010-11-15T09:54:19","guid":{"rendered":"http:\/\/littlevillage.de\/?p=270"},"modified":"2025-03-31T22:12:52","modified_gmt":"2025-03-31T21:12:52","slug":"neudas-afrikanische-amerika","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=270","title":{"rendered":"Das afrikanische Amerika"},"content":{"rendered":"<p>V\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet, verschwitzt, mit einem steifen Nacken und schweren Beinen kam ich schlie\u00dflich am Nachmittag in Johannesburg an. Wir waren noch einige Kilometer von der Stadtmitte entfernt, neugierig schaute ich aus dem Fenster und wurde von der unglaublichen Modernit\u00e4t der Stadt schlichtweg \u00fcberrumpelt. Egal, wo man hinsah, \u00fcberall erstreckten sich Wolkenkratzer, Br\u00fccken, riesige Firmenkomplexe und Leuchtreklame aller Art. Ich hatte damit gerechnet, dass Johannesburg anders sein w\u00fcrde als Harare, fortschrittlicher, moderner, immerhin war anl\u00e4sslich der Weltmeisterschaft einiges im Land getan worden, doch mit einem afrikanischen Amerika hatte ich nicht gerechnet!<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1380.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-273\" title=\"DSCF1380\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1380-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Das Stadtbild unterschied sich deutlich von den Eindr\u00fccken, die ich in Harare gesammelt hatte. Ein Wolkenkratzer reihte sich an den anderen, dazwischen hatten sich diverse Autoh\u00e4user und andere westliche Firmen niedergelassen. Von Mercedes, \u00fcber Volkswagen, Siemens, Nokia bis hin zur Telekom, jedes international t\u00e4tige Unternehmen schien in Johannesburg einen Firmensitz zu haben. Die Autoh\u00e4user waren voll mit den neuesten Modellen, das Blech gl\u00e4nzte in der Sonne, Autod\u00e4cher flimmerten in der Hitze.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1438.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-274\" title=\"DSCF1438\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1438-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Auf dem Highway zeigte sich das gleiche Bild, nur vereinzelt fuhr ein klappriges Fahrzeug vorbei, wie man es auf afrikanischen Stra\u00dfen vielleicht erwarten w\u00fcrde. \u00dcberwiegend waren es jedoch moderne, teure Wagen, die unseren Bus \u00fcberholten, die Mehrheit der Autofahrer war wei\u00df, was mich ebenfalls \u00fcberraschte. Diejenigen schwarzen Autofahrer, die ich sah, waren ebenfalls in einem teuer aussehenden Wagen unterwegs, sahen sehr gesch\u00e4ftig aus, mit Anzug und Krawatte, ein Anblick, den man in Harare, wo die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung zusammengepfercht in den Commuter-Bussen, auf der Ladefl\u00e4che von Lastwagen und Lieferwagen oder in mehr oder weniger fahrtauglichen Wagen unterwegs sind, nicht so h\u00e4ufig zu Gesicht bekommt.<\/p>\n<p>Als ich schlie\u00dflich nach 17 Stunden auf dem Busbahnhof stand, <a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1440.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-275\" title=\"DSCF1440\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1440-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a>wurde mir schnell klar, dass Johannesburg in Sachen Modernit\u00e4t Harare zwar um L\u00e4ngen voraus ist, daf\u00fcr hat jedoch die Mentalit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung gelitten. Ich hielt mich etwa eine Stunde lang am Busbahnhof auf, a\u00df einen Burger mit Pommes bei \u201eWimpy\u201c (einer Art McDonalds), trank eine Cola. W\u00e4hrend ich den Burger in mich hineinstopfte, hatte ich Gelegenheit, die Menschen um mich herum ein wenig zu beobachten. Im Vergleich zu Harare waren die Leute ziemlich gestresst, sie hetzten von einem Ende des Busbahnhofs zum anderen, lachten wenig und machten insgesamt auf den ersten Blick einen eher m\u00fcrrischen, \u00fcberheblichen Eindruck. Mir war klar, dass ich dies aus der Ferne eigentlich nicht beurteilen konnte, doch von der W\u00e4rme und Herzlichkeit, die einen in Harare umgibt, war hier einfach nichts zu sp\u00fcren. Alles war zwar sehr modern und komfortabel, aber daf\u00fcr auch kalt und unpers\u00f6nlich.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1449.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-276 alignleft\" title=\"DSCF1449\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1449-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Die Modernit\u00e4t, mit der man in Johannesburg bereits auf der Autobahn empfangen wurde, spiegelte sich dann auch in der gesamten Stadt wieder. Die Infrastruktur ist den Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen in Harare um einiges voraus, Schlagl\u00f6cher oder ausgefallene Ampeln findet man hier nur selten. Daf\u00fcr hat Johannesburg vieles, was mich an das Amerika erinnert, wie ich es aus dem Fernsehen und aus Kinofilmen kenne. Andrew (Thomas` Bekannter) hatte mich am Busbahnhof abgeholt und war mit mir durch die Stra\u00dfen gefahren, in der die Jacaranda-B\u00e4ume noch in voller Pracht bl\u00fchten (in Harare ist seit Einsetzen der Regenf\u00e4lle nicht mehr viel von den fliederfarbenen Bl\u00fcten \u00fcbrig geblieben). Die meisten Stra\u00dfen in Johannesburg wurden durch die Pracht der Jacaranda-B\u00e4ume bestimmt, die ganze Stadt war ein einziges lilafarbenes Bl\u00fctenmeer.<\/p>\n<p>Am Abend fuhr Andrew mit mir zum Nelson Mandela Square, einem Platz im Stadtzentrum. Er lud mich zum Essen in \u201eThe Butcher Shop\u201c ein, einem Luxusrestaurant mit Blick auf die Nelson Mandela Statue. Das Restaurant war ziemlich beeindruckend, das Ambiente gem\u00fctlich, die Kellner derma\u00dfen professionell geschult, wie ich es bislang nur selten erlebt habe. Unser Kellner achtete auf jede Kleinigkeit, servierte den Wein grunds\u00e4tzlich immer nur von links, verhielt sich \u00e4u\u00dferst zuvorkommend, kurz: Man f\u00fchlte sich wie ein K\u00f6nig. Auch hier fiel mir die hohe Anzahl wei\u00dfer G\u00e4ste auf, schwarze M\u00e4nner und Frauen sah man nur wenige, und wenn, dann sa\u00dfen sie meist mit einer Gruppe Wei\u00dfer am Tisch und schienen sich \u00fcber Gesch\u00e4ftliches zu unterhalten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1399.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-277\" title=\"DSCF1399\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1399-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Das Fleisch konnte man sich selbst an der Theke aussuchen. Unser Kellner f\u00fchrte uns einen langen Flur entlang, blieb vor einer Fleischtheke stehen, wie man sie in jedem Supermarkt entdecken k\u00f6nnte. Nur mit dem Unterschied, dass hier alles nur vom Feinsten war. Es gab Fleisch von Rind, Schwein, Lamm und Huhn, vom allen nur das Beste, rosige Filetst\u00fccke lagen neben St\u00fccken aus der Lende und T-Bone-Steaks. Ein paar Meter weiter lagen ganze Lammkeulen, mit Huf. Als ich das sah, wurde mir ein wenig mulmig im Magen, ich entschied mich f\u00fcr einen Salat.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Abend sa\u00df ich wieder im Bus, Richtung Harare. 17 Stunden Fahrt lagen vor mir, mir graute schon davor. Doch ich freute mich sehr darauf, wieder in Harare anzukommen. Denn obwohl Johannesburg auf seine Art eine sch\u00f6ne Stadt ist, in der es sich mit Sicherheit gut leben l\u00e4sst, war ich doch froh, der Stadt den R\u00fccken zu kehren. Mir fehlte die Herzlichkeit der Menschen, wie ich sie aus Harare gew\u00f6hnt war. Und daf\u00fcr konnte ich auf ein bisschen mehr Modernit\u00e4t gerne verzichten, denn mit dem eigentlichen Afrika hatte Johannesburg f\u00fcr mich sowieso nicht mehr viel zu tun.<a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1403.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-278\" title=\"DSCF1403\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/11\/DSCF1403-300x225.jpg\" alt=\"Eine Einkaufsmeile in Johannesburg\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>V\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet, verschwitzt, mit einem steifen Nacken und schweren Beinen kam ich schlie\u00dflich am Nachmittag in Johannesburg an. Wir waren noch einige Kilometer von der Stadtmitte entfernt, neugierig schaute ich aus dem Fenster und wurde von der unglaublichen Modernit\u00e4t der Stadt schlichtweg \u00fcberrumpelt. Egal, wo man hinsah, \u00fcberall erstreckten sich Wolkenkratzer, Br\u00fccken, riesige Firmenkomplexe und &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=270\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-270","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisebericht-afrika","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/270","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=270"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/270\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":283,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/270\/revisions\/283"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=270"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=270"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=270"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}