{"id":236,"date":"2010-10-22T16:01:11","date_gmt":"2010-10-22T15:01:11","guid":{"rendered":"http:\/\/littlevillage.de\/?p=236"},"modified":"2025-03-31T22:13:15","modified_gmt":"2025-03-31T21:13:15","slug":"neufalschgeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=236","title":{"rendered":"Falschgeld"},"content":{"rendered":"<p>Ratlos standen wir an der Kasse von Pizza Inn, der afrikanischen Version von Pizza Hut, wollten die Rechnung bezahlen, doch die Kassiererin wollte unser Geld nicht. Immer wieder legte sie den 50$-Schein in den Apparat, um ihn zu durchleuchten und auf seine Echtheit zu \u00fcberpr\u00fcfen, dabei streifte sie uns mit einem misstrauischen Seitenblick. Sie nahm den Schein mit beiden H\u00e4nden, hielt ihn an den oberen Seitenenden fest, hielt ihn gegen das Licht. Dann sch\u00fcttelte sie den Kopf. \u201eTut mir Leid\u201c, sagte sie, \u201eder Schein ist gef\u00e4lscht.\u201c Sie legte den Schein auf den Tresen, wollte, dass wir ihn zur\u00fccknehmen. Thomas machte gro\u00dfe Augen. \u201eGef\u00e4lscht?\u201c, fragte er, \u201edas kann nicht sein.\u201c Doch die Angestellte blieb dabei, sie wollte den Schein nicht.<!--more--><\/p>\n<p>Thomas und seine Frau fingen an zu \u00fcberlegen: Wo hatten Sie den Schein bekommen? Thomas war sich sicher, dass er den Schein aus dem Bankautomaten gezogen hatte, doch Christa, seine Frau, konnte sich daran erinnern, dass sie den Schein am Tag davor in einem Hotel-Restaurant bekommen hatten, zusammen mit dem Wechselgeld.<\/p>\n<p>Inzwischen war auch der Pizzab\u00e4cker aus der K\u00fcche dazu gekommen, er hatte geh\u00f6rt, wie wir an der Kasse diskutierten. Er wischte sich die H\u00e4nde an seiner Sch\u00fcrze ab, mit spitzen Fingern nahm er den Schein, der noch immer auf dem Tresen lag, zwischen der Kassiererin und uns. Auch er hielt den Schein gegen das Licht, musterte ihn genau. \u201eNein, der Schein ist nicht echt\u201c, sagte er. In Deutschland h\u00e4tten die Angestellten jetzt wahrscheinlich die Polizei gerufen, doch die Kassiererin gab uns den Schein einfach wieder zur\u00fcck, sch\u00fcttelte den Kopf.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/geld1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-241\" title=\"geld1\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/geld1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Thomas nahm den Schein, schaute ihn sich genau an. Auf den ersten Blick war die F\u00e4lschung kaum vom Original zu unterscheiden. Wie so viele Scheine in Harare sah auch dieser etwas abgegriffen aus, offenbar war er schon l\u00e4nger im Umlauf. Die Zeichnungen auf dem Schein sahen echt aus, waren sehr detailgetreu. Ich zog einen anderen 50$-Schein aus der Tasche, legte ihn neben die F\u00e4lschung. Tats\u00e4chlich wurde beim direkten Vergleich deutlich, dass dieser Schein unm\u00f6glich echt sein konnte. Der Schein war etwas kleiner als das Original, die Kanten waren unsauber abgeschnitten, waren schief. Die Linien auf dem Papier waren wesentlich undeutlicher als auf dem echten Schein, schienen ineinander zu verschwimmen. Ich nahm beide Scheine in die Hand, hielt sie ins Licht, tats\u00e4chlich, auf einem der beiden Scheine fehlte das Wasserzeichen, der Schein war gef\u00e4lscht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/geld2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-243\" title=\"geld2\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/geld2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Thomas und Christa wollten das nicht auf sich sitzen lassen, am n\u00e4chsten Tag fuhren sie in das Hotel, in dem sie den Schein bekommen hatten. Sie hatten zwar die Rechnung nicht mehr, aber sie wussten genau, um wie viel Uhr sie da gewesen waren, an welchem Tisch sie sa\u00dfen, was sie getrunken hatten und was sie am Ende bezahlen mussten. Das alles z\u00e4hlten sie der Managerin des Hotel-Restaurants auf. Die Managerin schaute im System nach, fand die Bestellung. Doch den Vorwurf, Falschgeld an ihre G\u00e4ste herausgegeben zu haben, wollte sie nicht ohne weiteres akzeptieren. Sie fragte nach dem Keller, der Thomas und Christa bedient hatte. Sie wussten nicht, wie der Kellner hie\u00df, schauten sich im Restaurant um, konnten ihn aber nirgendwo entdecken. Schlie\u00dflich bat die Managerin Thomas, einen Bericht zu schreiben, in dem er noch einmal den genauen Hergang beschreiben sollte. Das tat Thomas dann auch, gab ihr das Papier. Sie w\u00fcrde das \u00fcberpr\u00fcfen und sich am n\u00e4chsten Tag melden, sagte die Frau.<\/p>\n<p>Thomas und Christa warteten, doch die Managerin rief nicht an. Als sie schlie\u00dflich zwei Tage sp\u00e4ter wieder ins Hotel fuhren, um die Frau zur Rede zu stellen, behauptete diese, der Bericht m\u00fcsse erst noch von ihrem Chef unterschrieben werden, das k\u00f6nnte etwas dauern. Das war der Moment, in dem Thomas die Geduld verlor. Er wurde laut, bestand darauf, dass die Frau ihm nun endlich einen RICHTIGEN 50US$-Schein ausgeben sollte, schlie\u00dflich h\u00e4tten sie genug Beweise geliefert. Thomas war sauer. Nicht nur, dass einer der Keller in diesem Hotel ihm offenbar Falschgeld herausgegeben hatte, nun weigerte sich die Managerin auch noch, ihm das Geld zur\u00fcckzuerstatten. Thomas regte sich furchtbar auf, mit Erfolg: Nach langem Hin und Her gab die Managerin ihm sein Geld zur\u00fcck.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ratlos standen wir an der Kasse von Pizza Inn, der afrikanischen Version von Pizza Hut, wollten die Rechnung bezahlen, doch die Kassiererin wollte unser Geld nicht. Immer wieder legte sie den 50$-Schein in den Apparat, um ihn zu durchleuchten und auf seine Echtheit zu \u00fcberpr\u00fcfen, dabei streifte sie uns mit einem misstrauischen Seitenblick. 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