{"id":202,"date":"2010-10-18T07:56:12","date_gmt":"2010-10-18T06:56:12","guid":{"rendered":"http:\/\/littlevillage.de\/?p=202"},"modified":"2025-03-31T22:13:24","modified_gmt":"2025-03-31T21:13:24","slug":"ein-richtiger-afrikaner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=202","title":{"rendered":"Ein richtiger Afrikaner"},"content":{"rendered":"<p><strong>15.10.2010<\/strong><\/p>\n<p>Der Maisbrei blubberte in gro\u00dfen Blasen im Topf, st\u00e4ndig kochte etwas \u00fcber den Rand, fiel zischend auf die Herdplatte. Samantha dr\u00fcckte von links gegen den Topf, hielt den Henkel fest umklammert, w\u00e4hrend ich versuchte, den Brei umzur\u00fchren, einen \u00fcberdimensionalen Holzkochl\u00f6ffel in der Hand. Doch das war gar nicht so leicht, der Brei war z\u00e4h, der Topf viel zu voll. Mit beiden H\u00e4nden umklammerte ich den Kochl\u00f6ffel, versuchte, den Brei zu bezwingen, langsam tat mir der Arm weh, Schwei\u00dfperlen standen mir auf der Stirn. Samantha sah mir am\u00fcsiert zu, sie grinste \u00fcber das ganze Gesicht, dann brach sie in lautes, kehliges Lachen aus. Hilfe suchend schaute ich sie an, bat sie, f\u00fcr mich weiterzur\u00fchren, was sie zum Gl\u00fcck auch tat. Beherzt zog sie den Kochl\u00f6ffel durch die milchigwei\u00dfe Masse, r\u00fchrte schwungvoll durch den Brei, ich staunte nicht schlecht.<!--more--><\/p>\n<p>Es war Freitagnachmittag, am Abend sollte im Goethe-Zentrum ein Jazzkonzert stattfinden, Samantha und ich hatten uns freiwillig in die K\u00fcche gestellt, um f\u00fcr Claire und die anderen zu kochen. Eine tolle Gelegenheit, um ein bisschen Zeit mit Samantha zu verbringen und nebenbei zu lernen, wie Sadza zubereitet wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/kochen3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-206\" title=\"kochen3\" src=\"http:\/\/littlevillage.de\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/kochen3-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><\/a>Samantha war nicht besonders gut drauf, sie hatte am Abend zuvor mit ihrem Freund Schluss gemacht, per SMS. Spontan sch\u00fcttete sie mir ihr Herz aus, fragte mich, was ich an ihrer Stelle machen w\u00fcrde. Ich freute mich \u00fcber ihre Offenheit, ihr Vertrauen, gemeinsam \u00fcberlegten wir, was sie tun sollte, wenn er sich noch einmal bei ihr melden w\u00fcrde. Samantha war sich sicher, dass er das fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf jeden Fall tun w\u00fcrde, er ist nicht der Typ, der eine Abfuhr einfach so hinnimmt, sagte sie. Immer wieder zog sie ihr Handy aus der Hosentasche, schaute auf das Display, steckte es erleichtert wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Als Claire mich am Herd stehen sah, staunte sie nicht schlecht. <a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/kochen2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-205\" title=\"kochen2\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/kochen2-300x228.jpg\" alt=\"Kampf mit der Sadza\" width=\"300\" height=\"228\" \/><\/a>Sie war begeistert, dass ich mich nun offenbar dazu durchgerungen hatte, mich an ihrem gemeinsamen Essen zu beteiligen, sie sagte, dass es so langsam aber auch Zeit f\u00fcr mich gewesen w\u00e4re. Jetzt w\u00fcrde ich endlich ordentlich essen, sie l\u00e4chelte zufrieden. Mr. Collins und Timothy reagierten \u00e4hnlich, als sie in die K\u00fcche kamen. Vor allem Timothy, der sich mir gegen\u00fcber sonst immer sehr zur\u00fcckhaltend verhalten hatte, schien sich ehrlich \u00fcber meine Kochversuche zu freuen. Seine Augen strahlten, anerkennend klopfte er mir auf die Schulter. F\u00fcr ihn schien es von gro\u00dfer Bedeutung zu sein, dass ich als Wei\u00dfe versuchte, mich mit der afrikanischen K\u00fcche vertraut zu machen.<\/p>\n<p>Mittlerweile hatte Samantha angefangen, das gr\u00fcne Gem\u00fcse zu zerschneiden, das es immer zusammen mit der Sadza gab, die H\u00fchnchenschenkel kochten bereits in einem gro\u00dfen Topf auf dem Herd. Wir nahmen den Topf mit der Sadza, stellten ihn auf eine freie Herdplatte, damit der Brei ein wenig abk\u00fchlen konnte. Ich schnappte mir zwei Zwiebeln, schnitt sie in kleine W\u00fcrfel.<\/p>\n<p><strong><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/kochen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-204\" title=\"kochen\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/kochen-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/a><\/strong>Samantha erhitzte \u00d6l in einen Topf, warf die Gem\u00fcsestreifen hinein, gab ein wenig Salz hinzu, goss etwas vom \u201eH\u00fchnchenwasser\u201c dar\u00fcber. Die H\u00fchnchenschenkel selber legte sie auf ein Backblech und schob sie in den Ofen, damit sie noch ein wenig \u201er\u00f6sten\u201c konnten, wie sie es nannte. Anschlie\u00dfend d\u00fcnstete sie die Zwiebel in einem Topf, gab ein paar Tomatenscheiben hinein, l\u00f6schte alles mit dem restlichen \u201eH\u00fchnchenwasser\u201c ab, fertig war die So\u00dfe.<\/p>\n<p>Nach ungef\u00e4hr einer halben Stunde war alles fertig. Mit dem gro\u00dfen Kochl\u00f6ffel verteilte Samantha die Sadza auf mehreren Tellern, legte jeweils eine H\u00fchnchenkeule und etwas Gem\u00fcse dazu. Ich konnte es kaum abwarten zu probieren, mittlerweile war ich doch neugierig auf dieses Essen geworden, das allen so gut zu schmecken schien, dass sie es mehrmals in der Woche kochten. Samantha hielt mir einen Teller entgegen, vorsichtig probierte ich von der Sadza und verbrannte mir erst einmal ordentlich die Finger. Mr. Collins fing herzhaft an zu lachen, er hatte mich beobachtet. Sogleich fing er an, mich zu belehren, wie ich die Sadza formen sollte. Das hatte ich doch schon einmal irgendwo geh\u00f6rt\u2026 Ich befolgte seine Anweisungen, formte mit den Fingern ein kleines B\u00e4llchen, steckte es mir zusammen mit ein bisschen Gem\u00fcse und So\u00dfe in den Mund, es schmeckte k\u00f6stlich. Mr. Collins nickte zufrieden. \u201eJetzt isst du endlich wie ein richtiger Afrikaner\u201c, sagte er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>15.10.2010 Der Maisbrei blubberte in gro\u00dfen Blasen im Topf, st\u00e4ndig kochte etwas \u00fcber den Rand, fiel zischend auf die Herdplatte. Samantha dr\u00fcckte von links gegen den Topf, hielt den Henkel fest umklammert, w\u00e4hrend ich versuchte, den Brei umzur\u00fchren, einen \u00fcberdimensionalen Holzkochl\u00f6ffel in der Hand. Doch das war gar nicht so leicht, der Brei war z\u00e4h, &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=202\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-reisebericht-afrika","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=202"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/202\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":288,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/202\/revisions\/288"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.littlevillage.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}