{"id":17,"date":"2010-10-04T15:08:38","date_gmt":"2010-10-04T14:08:38","guid":{"rendered":"http:\/\/littlevillage.de\/?p=17"},"modified":"2025-03-31T22:14:39","modified_gmt":"2025-03-31T21:14:39","slug":"die-landung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=17","title":{"rendered":"Die Landung"},"content":{"rendered":"<p><strong>23.09.2010 <\/strong><\/p>\n<p>Die Ankunft in Harare war unsanft und wenig magenfreundlich. Das Flugzeug kreiste \u00fcber der Stadt und wartete auf die Landeerlaubnis. Mathew, 38 Jahre alt, Oberlippenbart, kurze, stoppelige Haare, hielt es kaum noch auf seinem Sitz. Er strahlte \u00fcber das ganze Gesicht, seine Augen leuchteten. \u201eF\u00fcr mich gibt es nichts Sch\u00f6neres, als nach Hause zu kommen\u201c, sagte er. \u201eHarare ist der beste Platz auf der Welt\u201c. Wie ein kleiner Junge rutschte er unruhig auf seinem Sitz hin und her, um aus dem Fenster zu schauen und einen Blick auf seine Heimatstadt unter uns zu erhaschen.<!--more--><\/p>\n<p>Mathew kam gerade aus China, er war f\u00fcr eine Woche dort gewesen, zwecks \u201eBusiness\u201c, wie er mir zuvor erz\u00e4hlt hatte. Er hatte Kleidung und Schuhe gekauft, die er in Harare gewinnbringend unter die Leute bringen wollte. Seit einem Jahr war er Single und auf der Suche nach einer Frau. Einer anst\u00e4ndigen Frau, wie er sagte. Die schien er seiner Meinung nach in mir wohl gefunden zu haben. Immer wieder fing er ein Gespr\u00e4ch mit mir an. Anfangs fand ich es noch interessant, was er mir von seiner Heimat Harare zu erz\u00e4hlen hatte. Er erz\u00e4hlte mir von den Victoria Falls, von dem traditionellen Essen, genannt Sadza, einer Art Maisbrei. Einmal davon gegessen, bist du tagelang satt. Immer wieder kam er auf Harare zur\u00fcck und wie sch\u00f6n es dort doch sei. Das glaubte ich ihm gerne. Das Thema Frauen versetzte mich dagegen weniger in Plauderstimmung.<\/p>\n<p>Das Flugzeug zog seine Kreise und verlor dabei immer mehr an H\u00f6he. Mein Magen rebellierte. Kinder im ganzen Flugzeug kreischten. Nicht vor Angst, nein, die Kinder hatten m\u00e4chtig Spa\u00df an den Aufwinden, die dem Flugzeug immer wieder einen unangenehmen Schub versetzten. Ich konnte es nicht fassen: Da sa\u00df ich in einem Flugzeug, das offensichtlich Probleme bei der Landung hatte, und die Kinder um mich herum lachten und kreischten vor lauter Freude. H\u00e4tte man mich im Alter von sechs oder acht Jahren in ein solches Flugzeug gesetzt, ich w\u00e4re wohl vor Angst in Tr\u00e4nen ausgebrochen oder h\u00e4tte mich kr\u00e4ftig \u00fcbergeben.<\/p>\n<p>Harare sei eine ganz tolle Stadt, viele Sehensw\u00fcrdigkeiten, tolle Clubs, man k\u00f6nne dort richtig viel Spa\u00df haben &#8211; vorausgesetzt, man sei mit den richtigen Leuten zusammen, riss Mathew mich aus meinen Gedanken. Wie zum Beweis hielt er mir einen Zettel mit seinem Namen und seiner Email-Adresse unter die Nase. Ich nahm den Zettel, bedankte mich h\u00f6flich. Ich solle mich unbedingt bei ihm melden, verlangte er. Nat\u00fcrlich wollte er auch meine Adresse haben. Ich nahm den Zettel und schrieb meinen Namen darauf. L\u00fcgen konnte ich nicht, er wusste bereits, wie ich hie\u00df. Also schrieb ich meinen Namen auf den Zettel, dachte mir aber eine falsche Email-Adresse aus. Mathew freute sich unglaublich und verstaute den Zettel sicher in seinem Portemonnaie. Er w\u00fcrde mir die besten Orte der Stadt zeigen und mich mit den traditionellen Gepflogenheiten des Landes vertraut machen. Es w\u00fcrde mir sicher gefallen und vielleicht k\u00f6nnte ich ja auch eine h\u00fcbsche Freundin mitbringen. Ich nickte nur und schaute wieder aus dem Fenster. Irgendwie tat er mir Leid. Er hatte sich den ganzen Flug \u00fcber nett, h\u00f6flich, aber niemals aufdringlich verhalten. Er machte einen ordentlichen Eindruck, aber ich wollte lieber kein Risiko eingehen, es war mein erster Tag, mein erstes Mal in Afrika.<\/p>\n<p>Als ich schlie\u00dflich v\u00f6llig \u00fcberm\u00fcdet mit meinen beiden Koffern (ja, ich hatte \u00dcbergep\u00e4ck *g*) in die Flughafenhalle trat, war Thomas (mein Bekannter) schon da. \u201eBella\u201c, schrie er laut, grinste \u00fcber das ganze Gesicht und nahm mich fest in die Arme. Neben ihm stand ein gro\u00dfer, breiter, schwarzer Mann. Er trug Fu\u00dfballkleidung, hatte freundlich, tiefbraune Augen und einen kr\u00e4ftigen H\u00e4ndedruck. \u201eHallo Bella, ich bin Nelson\u201c, sagte er, \u201eSch\u00f6n, dich kennen zu lernen.\u201c Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Dass er mich \u201eBella\u201c nannte (ein Running-Gag aus der Schulzeit, der irgendwie an mir kleben geblieben ist), fand ich irgendwie witzig. Doch er bestand darauf, mich so zu nennen. &#8222;Wenn Thomas dich so nennt, nenne ich dich auch so&#8220;, sagte er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>23.09.2010 Die Ankunft in Harare war unsanft und wenig magenfreundlich. Das Flugzeug kreiste \u00fcber der Stadt und wartete auf die Landeerlaubnis. Mathew, 38 Jahre alt, Oberlippenbart, kurze, stoppelige Haare, hielt es kaum noch auf seinem Sitz. 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