{"id":105,"date":"2010-10-11T08:09:35","date_gmt":"2010-10-11T07:09:35","guid":{"rendered":"http:\/\/littlevillage.de\/?p=105"},"modified":"2025-03-31T22:13:52","modified_gmt":"2025-03-31T21:13:52","slug":"warten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=105","title":{"rendered":"Warten"},"content":{"rendered":"<p>Das Erste, was man in Afrika lernt, ist, deutsche Prinzipien wie P\u00fcnktlichkeit oder Zuverl\u00e4ssigkeit \u00fcber Bord zu werfen. \u201eLife is slow\u201c, hatte James in einem unserer Gespr\u00e4che gesagt. Ich sollte bald merken, wie recht er damit hatte.<\/p>\n<p>Einen Gro\u00dfteil seiner Zeit verbringt man in Afrika mit Warten. So ging es auch mir, als ich meinen Wagen zu Viola brachte, damit sie die n\u00f6tigen Reparaturen daran vornehmen konnte. Es war noch fr\u00fch am Morgen, ich hatte den Weg zur Werkstatt gleich gefunden, freute mich \u00fcber diesen kleinen Erfolg.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, so lange zu warten, bis die Reparaturen am Auto abgeschlossen waren. Doch Viola meinte, es k\u00f6nnte ein wenig dauern. Immerhin gab es ja einiges zu tun: Ich brauchte neue Scheibenwischer, neue Gurte, die Hupe und die Blinker mussten repariert werden. Also bot Viola mir an, mich nach Hause fahren zu lassen. Einer ihrer Angestellten w\u00fcrde mir das Auto dann direkt nach Hause bringen. Ich fand das Angebot ausgesprochen nett, war sofort einverstanden. \u201eUntil lunch you`ll have it back\u201c, sagte Viola. Ich schaute auf die Uhr, noch drei Stunden. Damit konnte ich leben.<\/p>\n<p>Nach sechs Stunden hatte ich allerdings immer noch nichts von Viola geh\u00f6rt, kein Anruf, keine SMS, und vor allem: kein Auto. Ich beschloss, noch ein wenig zu warten, ich wusste, dass Viola bis 17 Uhr im B\u00fcro sein w\u00fcrde. Als ich bis kurz vor Feierabend immer noch nichts von ihr geh\u00f6rt hatte, rief ich sie an. Das Auto sei fertig, versicherte sie mir, es sei bereits jemand auf dem Weg zu mir. Und tats\u00e4chlich: Zwanzig Minuten sp\u00e4ter klingelte es am Tor. Ein junger Mann kam mit dem Wagen auf den Hof gefahren, ich freute mich sehr, offenbar konnte man sich doch auf Viola verlassen. Ich lief einmal um das Auto herum, Viola hatte gesagt, dass ich ihren Angestellten wieder zur Werkstatt zur\u00fcck fahren sollte.<\/p>\n<p>Als ich ins Auto stieg, traute ich meinen Augen kaum. Die Hupe funktionierte immer noch nicht, auch die Scheibenfischer fehlten nach wie vor. Lediglich der Gurt auf der Fahrerseite war angebracht worden. Das sollte alles sein? Daf\u00fcr hatte man den ganzen Tag gebraucht? Ich konnte es nicht fassen.<\/p>\n<p>Entt\u00e4uscht stellte ich Viola zur Rede, doch eine Erkl\u00e4rung gab es nicht. Ich solle doch einfach am n\u00e4chsten Tag wieder kommen, sagte sie, das war alles. W\u00fctend setzte ich mich wieder hinters Steuer und fuhr nach Hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Erste, was man in Afrika lernt, ist, deutsche Prinzipien wie P\u00fcnktlichkeit oder Zuverl\u00e4ssigkeit \u00fcber Bord zu werfen. \u201eLife is slow\u201c, hatte James in einem unserer Gespr\u00e4che gesagt. Ich sollte bald merken, wie recht er damit hatte. Einen Gro\u00dfteil seiner Zeit verbringt man in Afrika mit Warten. 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