{"id":102,"date":"2010-10-11T08:04:06","date_gmt":"2010-10-11T07:04:06","guid":{"rendered":"http:\/\/littlevillage.de\/?p=102"},"modified":"2025-03-31T22:13:56","modified_gmt":"2025-03-31T21:13:56","slug":"allein-im-dunkeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.littlevillage.de\/?p=102","title":{"rendered":"Allein im Dunkeln"},"content":{"rendered":"<p><strong>28.09.2010<\/strong><\/p>\n<p>Als der Stromausfall die Stra\u00dfe in absolute Dunkelheit tauchte, war ich alleine im Haus. Von einer Sekunde auf die andere war es stockdunkel im Haus, alle Lampen, der Fernseher, der K\u00fchlschrank, alles war ohne Strom. Kein Problem, dachte ich, schlie\u00dflich gab es ja eine Solaranlage auf dem Dach, die in solchen F\u00e4llen automatisch anspringen und das Haus mit Strom versorgen sollte. Ich wartete, eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, nichts passierte. Ich versuchte, mich im Dunkeln zurechtzufinden, konnte jedoch kaum etwas sehen. Als es an der T\u00fcr klopfte, zuckte ich zusammen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Drau\u00dfen standen James und seine kleine Tochter, nerv\u00f6s schaute er mich an. \u201eWir haben einen Stromausfall\u201c, sagte er. \u201eDie ganze Gegend hat keinen Strom mehr.\u201c Er fragte mich, ob ich die Solaranlage anmachen k\u00f6nnte. Das h\u00e4tte ich gerne getan, doch ich hatte keine Ahnung wie, auf diese Situation war ich nicht vorbereitet. Thomas hatte mir im Vorfeld von der Solaranlage vorgeschw\u00e4rmt, selbst wenn die ganze Stra\u00dfe ohne Strom w\u00e4re, in diesem Haus w\u00fcrde mit Sicherheit Licht brennen, sagte er.<\/p>\n<p>Doch die Solaranlage sprang nicht an. Ich nahm zwei Taschenlampen, gab eine davon James, dann \u00f6ffneten wir den Schrank, in dem der Stromverteiler untergebracht war. An der Wand hing ein wei\u00dfer Kasten, der offenbar zu der Solaranlage geh\u00f6rte. Ratlos starrten James und ich auf den Kasten, zwei kleine, rote L\u00e4mpchen leuchteten im Dunkeln. James wusste genauso wenig wie ich, was zu tun war, es war der erste Stromausfall, den er in diesem Haus erlebte. In dem Haus, wo er zuvor gearbeitet hatte, gab es solche Probleme nicht. Das Haus lag direkt neben einem Krankenhaus, Stromausf\u00e4lle gab es dort nie, sagte er.<\/p>\n<p>Wir dr\u00fcckten verschiedene Kn\u00f6pfe, suchten nach einer L\u00f6sung, doch egal welchen Knopf wir auch dr\u00fcckten, das Licht blieb aus. Ich rief Thomas auf seinem Handy an, doch auch er konnte uns nicht weiterhelfen. F\u00fcr gew\u00f6hnlich springe die Anlage ganz von allein an, sagte er. Offenbar gab es ein technisches Problem mit der Solaranlage.<\/p>\n<p>James und ich \u00fcberlegten, was wir tun sollten. Die Situation war frustrierend. Auf den Nachbargrundst\u00fccken sprangen die Generatoren an, laut r\u00f6hrten die Motoren in der Dunkelheit, ein Haus nach dem anderen hatte wieder Licht. Alle sind vorbereitet, nur wir stehen hier im Dunkeln, sagte James. Tats\u00e4chlich war unser Haus eines der wenigen, was noch ohne Strom war.<\/p>\n<p>Wir versuchten erneut verschiedene Kn\u00f6pfe und Schalter zu bet\u00e4tigen, ohne Erfolg. Bald war klar, dass wir die Anlage alleine nicht zum Laufen bekommen w\u00fcrden, wir brauchten Hilfe. Also machte sich James auf den Weg zu den Nachbargrundst\u00fccken, klingelte an jeder T\u00fcr. Die Vorstellung, wie James mit seiner kleinen Taschenlampe im Dunkeln von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr zog und die Leute um Rat bat, hatte etwas Absurdes. Nach einer guten halben Stunde kam er mit einem unserer Nachbarn zur\u00fcck. Der Mann habe selber eine Solaranlage auf dem Dach, au\u00dferdem sei er Elektriker, stellte James ihn vor. Das Problem schien gel\u00f6st, nun w\u00fcrden auch wir bald wieder Strom haben, dachte ich.<\/p>\n<p>James f\u00fchrte den Mann zu dem Verteilerkasten. Der Mann warf einen scheinbar fachm\u00e4nnischen Blick auf alle Ger\u00e4te, dann griff er nach zwei losen Dr\u00e4hten, die aus einer gro\u00dfen Batterie herausragten, und begann unkoordiniert mit den Dr\u00e4hten herumzufummeln. Ich hatte kein gutes Gef\u00fchl, als ich sah, wie er sich an den Dr\u00e4hten zu schaffen machte. Vorsichtig trat ich einen Schritt n\u00e4her, wobei mir der starke Seifengeruch des Mannes in die Nase stieg. Sp\u00e4testens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass er genauso wenig Ahnung hatte wie wir. Auch er dr\u00fcckte noch einmal alle Kn\u00f6pfe, doch nichts geschah. Er h\u00e4tte jetzt zugeben k\u00f6nnen, dass er nicht wusste, wo das Problem lag, doch dies lie\u00df sein Stolz nicht zu.<\/p>\n<p>Er dr\u00fcckte hier und da, fummelte an Kabeln, zog Stecker heraus, probierte so ziemlich alles. Schlie\u00dflich kam er zu einer Diagnose: Offenbar sei die Batterie zu schwach, um die Solaranlage mit der n\u00f6tigen Energie zu versorgen. Aha. Er diskutierte noch eine Weile mit James in einer afrikanischen Sprache, ich verstand kein Wort.<\/p>\n<p>F\u00fcr gew\u00f6hnlich h\u00e4tte man in sp\u00e4testens vier Stunden wieder Strom, sagte er an mich gerichtet. Aber wir sollten uns besser darauf einstellen, dass es in den n\u00e4chsten Tagen wieder zu einem Stromausfall kommen k\u00f6nnte. Das waren wirklich tolle Aussichten.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag fuhr ich zum Supermarkt und kaufte Kerzen. Beim n\u00e4chsten Mal wollte auch ich vorbereitet sein. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>28.09.2010 Als der Stromausfall die Stra\u00dfe in absolute Dunkelheit tauchte, war ich alleine im Haus. Von einer Sekunde auf die andere war es stockdunkel im Haus, alle Lampen, der Fernseher, der K\u00fchlschrank, alles war ohne Strom. 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