«

»

Okt
04

Tierische Wohngemeinschaft

Sie kamen durch die Türschlitze ins Haus, pressten sich unter der Türschwelle hindurch, huschten über den Teppich und verschwanden hinter dem Sofa, Schränken oder dem Bett. Thomas hatte mich vorgewarnt: Es könnte sein, dass ich mein Haus mit ein paar Untermietern teilen müsste, die im Dunkeln durch die Gegend huschen würden. Ich dachte an Spinnen, Motten, Ungeziefer dieser Art.

Ich musste nicht lange suchen, um meine Untermieter zu finden. Jeden Abend kamen sie aus ihren Löchern, Spinnen, widerliche Exemplare, mit einem dicken Körper und sehr langen Beinen. Sie schienen eine Vorliebe für feucht-warme Luft zu haben, machten sich bevorzugt in meinem Badezimmer breit. Aber auch in der Küche und im Schlafzimmer krabbelten sie die Wände hoch und ließen sich in den Zimmerecken nieder.

Es war jedes Mal ein Erlebnis, wenn ich abends die Badezimmertür öffnete, und feststellen musste, dass wieder eine neue Spinne eingezogen war. Auf hellem Untergrund schienen sie noch größer zu sein, ihr schwarzer Körper bildete einen starken Kontrast zu den gelb gestrichenen Wänden im Bad. Ein besonders imposantes Exemplar hatte direkt neben dem Spülkasten der Toilette Stellung bezogen. Sie hatte nur sieben Beine, sie hatte eins wohl bei einer Auseinandersetzung mit einem ihrer Artgenossen verloren, vermutete ich, sicher, der Platz in meinem Badezimmer war begrenzt, Revierkämpfe vorprogrammiert.

Als ich am dritten Tag die Badezimmertür aufzog, innerlich auf ein neues achtbeiniges Krabbeltier eingestellt, zuckte ich zurück. Kaum hatte ich das Licht eingeschaltet, huschte ein undefinierbares Objekt in erstaunlicher Geschwindigkeit die Wand hinunter und verschwand hinter den Abflussrohren. Was war das nun schon wieder? Die siebenbeinige Spinne hockte immer noch neben dem Spülkasten, sie rührte sich nicht, als ich langsam näher kam. Vorsichtig versuchte ich hinter die Rohre zu schauen, das Tier bewegte sich rasend schnell, versteckte sich. Ich hatte keine Ahnung, was das war. So genau wollte ich es dann aber doch nicht wissen, als dass ich auf die Idee gekommen wäre, mit meinen Fingern hinter den Rohren rumzufummeln, wer konnte schon wissen, was da noch so alles herum kreuchte?

Später an diesem Abend machte ich dann Bekanntschaft mit meinem „Badezimmer-Gecko“. Er hatte wieder versucht, sich hinter den Rohren zu verstecken, als ich das Licht anknipste, doch dieses Mal war er nicht schnell genug, blieb wie erstarrt kurz davor sitzen. Es war ein kleines, interessantes Tier, vielleicht zehn Zentimeter lang. Er hatte einen hellen, fast durchscheinenden Körper. Dazu zwei riesige schwarze Augen, die mich aufmerksam beobachteten. Seine Füße sahen aus wie kleine Saugnäpfe, wodurch er wie der Blitz an den Wänden hoch und runter laufen konnte. Ein Gecko im Badezimmer, na wunderbar, dachte ich. Sein Ekel-Faktor war im Vergleich zu den Spinnen aber wesentlich geringer, so dass ich beschloss, das Tier vorerst dort zu lassen, wo es sich offensichtlich am wohlsten fühlte: hinter der Toilette.