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Okt
04

Ein „Bombengeschäft“

Am zweiten Tag fuhren wir wieder zu Viola, um das Auto abzuholen, mit dem ich nun die nächsten drei Monate in den Straßen von Harare herumfahren sollte. Ich freute mich schon darauf, Thomas hatte mir versichert, dass Viola „hochgradig gewillt“ sei, mir ein Auto zu besorgen, das sicher und zuverlässig sei. Wir parkten den Wagen vor Violas Hofeinfahrt und gingen hinein.

Viola saß wie gewohnt hinter ihrem Schreibtisch und begrüßte uns herzlich. Wir tauschten ein paar Höflichkeiten aus, dann gingen wir auf den Hof, um das Auto in einer der unzähligen Wagenreihen zu suchen. Da stand es also: „mein“ Auto, ein flaschengrüner Mazda Familia, optisch in einem durchaus akzeptablen Zustand. Da hat Viola dir wirklich ein gutes Auto zur Verfügung gestellt, sagte Thomas zu mir. Zufrieden gingen wir wieder in ihr Büro, um ihr das Geld zu geben: 1800 USD, umgerechnet 1332 Euro, nicht gerade ein Schnäppchen. Thomas gab ihr das Geld, Viola verzog missmutig das Gesicht. „Hatten wir nicht 2000 USD gesagt“, fragte sie. Thomas fing angesichts ihrer Geldgier an zu lachen. Ich fand das Ganze weniger komisch. 1800 USD, das war für afrikanische Verhältnisse für einen Leihwagen vielleicht ein Spottpreis (normalerweise kostet ein Leihwagen 76 USD am Tag), doch für mich war das viel Geld, Geld, das ich für meinen Aufenthalt in Afrika eigentlich nicht eingeplant hatte. Aber was sollte ich machen? Ich brauchte ein Auto, und nun waren wir schon einmal da, das Auto stand auf dem Hof, das Geld lag auf dem Tisch.

Ein Angestellter von Viola fuhr den Mazda auf den Hof, wir stiegen ein, Thomas wollte fahren. Das erste, was uns auffiel, waren die fehlenden Gurte. Kein Sitz, weder vorne noch hinten,  verfügte über einen Gurt, die vorderen Sitze hatten noch nicht einmal einen Anschnaller. Dort, wo einmal das Radio war, klaffte eine hässliche Lücke, Drähte schauten aus dem Plastik hervor. „Dann musst du wohl singen“, scherzte Thomas. Ich sagte erst einmal nichts dazu. Das „Bombengeschäft“ entpuppte sich so langsam als Albtraum.

Während der Fahrt stellten wir fest, dass so gut wie nichts an dem Auto richtig funktionierte. Die Stoßdämpfer waren abgenutzt, die Scheibenfischer funktionierten genauso wenig wie die Hupe und die Klimaanlage. Die hinteren Fenster ließen sich nicht öffnen, im rechten Fenster steckte ein Holzkeil, wohl um zu verhindern, dass die Scheibe ständig „runterfiel“. Das Auto hatte eine Automatik-Gangschaltung, was in Harare zugegeben sehr von Vorteil ist. Doch auch diese Gangschaltung funktionierte nicht richtig, sie schaltete viel zu spät hoch, dadurch verbrauchte das Auto viel zu viel Benzin. Jedes Mal, wenn der Wagen einen Gang hoch schaltete, gab es einen fiesen Ruck. In Deutschland hätte man für diesen Wagen mit Glück vielleicht noch 500 Euro bekommen, ich hatte 1800 USD bezahlt – für einen Leihwagen, der mir als absolut sicher und zuverlässig angepriesen worden war, ich war begeistert.

Das konnten wir so nicht stehen lassen. Also fuhren wir zurück zu Viola, zählten alle Mängel auf, der Zustand des Autos war inakzeptabel. Viola nickte nur, sie war über unsere Beschwerden nicht sehr erfreut. Das habe sie nicht gewusst, sagte sie. Sie sei den Wagen vorher nie gefahren. Doch sie versicherte uns, die Reparaturen in den nächsten Tagen vorzunehmen.