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Okt
04

Exkurs: Der afrikanische Mister Minit

Am zweiten Tag waren Thomas und ich in dieser „local area“ unterwegs, um ein paar Schlüssel nachmachen zu lassen. Ein Schild warb mit sofortiger Schlüsselanfertigung und geringer Wartezeit. Wir betraten den Laden und fanden uns auf einmal zwischen Ständern mit Damenbekleidung wieder. Eine aufmerksame Verkäuferin eilte bereits herbei, um uns zu bedienen. Normalerweise hätte ich den Laden sofort wieder verlassen, wir waren hier ja offensichtlich falsch. Doch Thomas führte mich weiter durch den Laden, vorbei an Ständern mit Kleidern, T-Shirts, Tüchern und den erwartungsvollen Blicken der Verkäuferinnen. Und dann sah ich es: Im hinteren Teil des Ladens, von außen nicht sichtbar, verbarg sich tatsächlich eine kleine Werkstatt.

Die Werkstatt war nichts weiter als ein kleiner, enger Flur. Kein deutscher Angestellter bei Mister Minit könnte sich wahrscheinlich vorstellen, hier jemals auch nur einen Schlüssel produzieren zu können. Die Werkstatt lag im Halbdunkel. Nur eine Glühbirne, die lose an einer langen Schnurr von der Decke hing, spendete etwas Licht. Drei junge Männer sahen uns an. Einer von ihnen stand von einem kleinen, abgewetzten Holzhocker auf, begrüßte uns und nahm die Schlüssel. Er wandte sich nach links zu einer Wand, an der Schlüssel und Schlösser in allen Variationen hingen. Kleine Schlüssel, große, silberne, graue, goldene, alles hing wild und ungeordnet nebeneinander. Er nahm ein paar Schlüssel von einem Haken und verglich sie mit jenen, die Thomas ihm gegeben hatte. Dann setzte er sich hinter einen schmalen Tisch und klemmte den ersten Schlüssel zwischen einen Schraubstock. Mit nichts weiter als einer einfachen Feile und einer Zange als Maßeinheit fertigte er innerhalb von etwa 15 Minuten eine perfekte Kopie des Originalschlüssels an. Preis pro Schlüssel: 3 USD. Ich konnte es kaum glauben!