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Okt
18

Ein richtiger Afrikaner

15.10.2010

Der Maisbrei blubberte in großen Blasen im Topf, ständig kochte etwas über den Rand, fiel zischend auf die Herdplatte. Samantha drückte von links gegen den Topf, hielt den Henkel fest umklammert, während ich versuchte, den Brei umzurühren, einen überdimensionalen Holzkochlöffel in der Hand. Doch das war gar nicht so leicht, der Brei war zäh, der Topf viel zu voll. Mit beiden Händen umklammerte ich den Kochlöffel, versuchte, den Brei zu bezwingen, langsam tat mir der Arm weh, Schweißperlen standen mir auf der Stirn. Samantha sah mir amüsiert zu, sie grinste über das ganze Gesicht, dann brach sie in lautes, kehliges Lachen aus. Hilfe suchend schaute ich sie an, bat sie, für mich weiterzurühren, was sie zum Glück auch tat. Beherzt zog sie den Kochlöffel durch die milchigweiße Masse, rührte schwungvoll durch den Brei, ich staunte nicht schlecht.

Es war Freitagnachmittag, am Abend sollte im Goethe-Zentrum ein Jazzkonzert stattfinden, Samantha und ich hatten uns freiwillig in die Küche gestellt, um für Claire und die anderen zu kochen. Eine tolle Gelegenheit, um ein bisschen Zeit mit Samantha zu verbringen und nebenbei zu lernen, wie Sadza zubereitet wird.

Samantha war nicht besonders gut drauf, sie hatte am Abend zuvor mit ihrem Freund Schluss gemacht, per SMS. Spontan schüttete sie mir ihr Herz aus, fragte mich, was ich an ihrer Stelle machen würde. Ich freute mich über ihre Offenheit, ihr Vertrauen, gemeinsam überlegten wir, was sie tun sollte, wenn er sich noch einmal bei ihr melden würde. Samantha war sich sicher, dass er das früher oder später auf jeden Fall tun würde, er ist nicht der Typ, der eine Abfuhr einfach so hinnimmt, sagte sie. Immer wieder zog sie ihr Handy aus der Hosentasche, schaute auf das Display, steckte es erleichtert wieder zurück.

Als Claire mich am Herd stehen sah, staunte sie nicht schlecht. Kampf mit der SadzaSie war begeistert, dass ich mich nun offenbar dazu durchgerungen hatte, mich an ihrem gemeinsamen Essen zu beteiligen, sie sagte, dass es so langsam aber auch Zeit für mich gewesen wäre. Jetzt würde ich endlich ordentlich essen, sie lächelte zufrieden. Mr. Collins und Timothy reagierten ähnlich, als sie in die Küche kamen. Vor allem Timothy, der sich mir gegenüber sonst immer sehr zurückhaltend verhalten hatte, schien sich ehrlich über meine Kochversuche zu freuen. Seine Augen strahlten, anerkennend klopfte er mir auf die Schulter. Für ihn schien es von großer Bedeutung zu sein, dass ich als Weiße versuchte, mich mit der afrikanischen Küche vertraut zu machen.

Mittlerweile hatte Samantha angefangen, das grüne Gemüse zu zerschneiden, das es immer zusammen mit der Sadza gab, die Hühnchenschenkel kochten bereits in einem großen Topf auf dem Herd. Wir nahmen den Topf mit der Sadza, stellten ihn auf eine freie Herdplatte, damit der Brei ein wenig abkühlen konnte. Ich schnappte mir zwei Zwiebeln, schnitt sie in kleine Würfel.

Samantha erhitzte Öl in einen Topf, warf die Gemüsestreifen hinein, gab ein wenig Salz hinzu, goss etwas vom „Hühnchenwasser“ darüber. Die Hühnchenschenkel selber legte sie auf ein Backblech und schob sie in den Ofen, damit sie noch ein wenig „rösten“ konnten, wie sie es nannte. Anschließend dünstete sie die Zwiebel in einem Topf, gab ein paar Tomatenscheiben hinein, löschte alles mit dem restlichen „Hühnchenwasser“ ab, fertig war die Soße.

Nach ungefähr einer halben Stunde war alles fertig. Mit dem großen Kochlöffel verteilte Samantha die Sadza auf mehreren Tellern, legte jeweils eine Hühnchenkeule und etwas Gemüse dazu. Ich konnte es kaum abwarten zu probieren, mittlerweile war ich doch neugierig auf dieses Essen geworden, das allen so gut zu schmecken schien, dass sie es mehrmals in der Woche kochten. Samantha hielt mir einen Teller entgegen, vorsichtig probierte ich von der Sadza und verbrannte mir erst einmal ordentlich die Finger. Mr. Collins fing herzhaft an zu lachen, er hatte mich beobachtet. Sogleich fing er an, mich zu belehren, wie ich die Sadza formen sollte. Das hatte ich doch schon einmal irgendwo gehört… Ich befolgte seine Anweisungen, formte mit den Fingern ein kleines Bällchen, steckte es mir zusammen mit ein bisschen Gemüse und Soße in den Mund, es schmeckte köstlich. Mr. Collins nickte zufrieden. „Jetzt isst du endlich wie ein richtiger Afrikaner“, sagte er.